Der erste Landestitel

 
Die A-Jugendliche Joana Niermann vom TSV St. Jürgen gewinnt in Hameln die 100 Meter Hürden

Von Carsten Spöring  

St. Jürgen. Damit hatte Joana Niermann vom TSV St. Jürgen nun gar nicht gerechnet. Obwohl das Wetter im Weserberglandstadion zu Hameln noch katastrophaler als daheim war, wurde die A-Jugendliche im Trikot der Startgemeinschaft Osterholzer Leichtathleten (SOL) Landesmeisterin über die 100 Meter Hürden. Einem Start bei den 70. Deutschen Jugendmeisterschaften steht nun erst recht nichts mehr im Wege.

Zugegeben, in Hameln kamen nur zwei Läuferinnen ins Ziel. Doch Joana Niermann unterbot mit ihrer Siegerzeit von 14,99 Sekunden die geforderte Qualifikationsleistung für die deutschen Titelkämpfe (15,20) und darf sich daher auch Landesmeisterin nennen. Die "Quali" hat sie mittlerweile bereits zum dritten Mal gelaufen - eine "Superserie" sei das, sagt ihr Mentor Hinrich Michaelis. Der St. Jürgener entdeckte Joana Niermann vor vier Jahren und förderte die talentierte Leichtathletin zusammen mit SOL-Trainer Reinhard Wagner. Mit ihrer Leistung  wurde die 19-Jährige, die sich riesig über ihren ersten Landesmeistertitel freute, zur erfolgreichsten Aktiven der Leichtathletikabteilung im TSV St. Jürgen.  

Am ersten Tag der Landesmeisterschaften in Hameln hatte Joana Niermann noch auf die 100 Meter flach verzichtet. 24 Stunden später über die Hürdenstrecke machten ihr dann weder das miese Wetter noch der vorausgegangene Abiturstress (sie schloss mit der Note 1,0 ab) zu schaffen - gewohnt sicher setzte die A-Jugendliche über die zehn Hürden.

Bevor die St. Jürgenerin nun ihr Physik-Studium in Göttingen beginnt und damit wohl der hiesigen Leichtathletikszene verloren geht, will sie aber noch am ersten August-Wochenende bei den Deutschen Jugendmeisterschaften auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena Leichtathletik-Höhenluft schnuppern. Allerdings weiß sie auch, dass sie dort in Jena unter normalen Umständen - selbst mit einer Zeit deutlich unter 15 Sekunden - keine Chance auf den Einzug ins Halbfinale beim 100-Meter-Hürdenlauf der weiblichen Jugend A besitzt. Daher nimmt sie ihre jetzt geplante Reise und den damit verbundenen Trainingsausfall auch nicht so tragisch: Für drei Wochen fliegt Joana Niermann nun erst einmal in die USA. Eine Woche vor den deutschen Titelkämpfen ist sie aber wieder da - das wird für die Form und Substanz reichen, ist sich ihr Betreuer Hinrich Michaelis sicher, "soviel wird sie nicht verlieren".